2026: 2026: Jahresausgabe
2026: Jahresausgabe

Artikel

Oliver Krüger
1-42
Vom Wesen zur Relation. Zum Paradigmenwechsel in der Religionswissenschaft aus Sicht der Wissenssoziologie

Wie kann die Vervielfältigung von Themen, turns und Theorien in der aktuellen Religionswissenschaft erklärt werden? Mit Hilfe des Konzeptes des Paradigmenwechsels nach Thomas Kuhn untersucht die Studie die erkenntnistheoretischen Konsequenzen der Frage „Was ist Religion?“. Grundlage dafür ist eine Analyse der Praxis der Definition von „Religion“ in deutschsprachigen Enzyklopädien der letzten drei Jahrhunderte, die über diesen langen Zeitraum weitgehend konstant ist und hauptsächlich aus Etymologie, Wesensdeutung und einer Typologie von „Religion“ besteht. Daraus lässt sich ein aristotelisches Paradigma ableiten. Der mit diesem Paradigma verbundene Anspruch auf eine überzeitliche und kulturübergreifende Universalität führte schließlich zu einer Krise der Definition von „Religion“ in der Spätzeit der Religionsphänomenologie. Seit den 1960er Jahren hat die Religions-wissenschaft jedoch alternative Ansätze entwickelt, die Aspekte der menschlichen Interaktion, der Kommunikation und der wechselseitigen Beziehungen betonen. Ich schlage vor, diese neuen Perspektiven unter dem Begriff „relationales Paradigma“ zusammenzufassen. Beispiele und Konsequenzen für dieses Paradigma werden in den Schlussfolgerungen dargelegt.

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Karénina Kollmar-Paulenz
1-8
Paradigmenwechsel in der Religionswissenschaft? – Nachdenken über Oliver Krügers „relationales Paradigma“

Der Artikel diskutiert Oliver Krügers These eines Paradigmenwechsels in der Religionswissenschaft von einer aristotelisch bedingten Wesensdeutung hin zu einem relationalen Verständnis von Religion. Der vorgeschlagene „Umbrella Term“ eines relationalen Paradigmas scheint dabei tatsächlich das Gemeinsame der zahlreichen neueren, religionswissenschaftlichen Fragestellungen und Themen widerzuspiegeln. Der empirische Befund überzeugt mit Blick auf die deutschsprachigen Enzyklopädien – es muss aus religionshistorischer Perspektive jedoch die Frage aufgeworfen werden, ob die aus diesem Korpus gewonnenen Einsichten ohne Weiteres (mindestens) auf den westeuropäischen Diskurs übertragbar sind: Kann also das aristotelische Paradigma auch in historischen Lexika aus Italien, Spanien, Frankreich und Großbritannien identifiziert werden? Kritisch wird zudem die Deutung der definitorischen Praxis als „europäischer Sonderfall“ bewertet, die die Gefahr eines unreflektierten „Westernism“ birgt. An dieser Stelle wäre es wichtig, außereuropäische Wissensordnungen und enzyklopädische Projekte stärker zu berücksichtigen.

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Mattias Brand
1-16
Comparison, generalisations, and relationality in the Study of Religion\s

This short response article will consider Oliver Krüger’s “relational paradigm” as offering a potential mediating position between proponents of systematic-phenomenological and critical-relational approaches in the study of religion\s. Following a recent stand-off in the Dutch study of religion\s, I examine the potential for careful comparisons and generalisations in the field. If Krüger is right and we have been relational for decades, the comparisons and generalisations of systematic and comparative research may be regarded with a charitable attitude. Rather than representing a return to the previous essentialist paradigm, such comparisons may be re-considered as explicit and reflexive approaches to religion\s in past and present. To explore such opportunities, I present four principles and one publication strategy in which relationality takes a central place.

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Oliver Krüger
1-17
Prospects for relational approaches in the Study of Religion. A response to Karénina Kollmar-Paulenz and Mattias Brand

This response to Brand’s and Kollmar-Paulenz’ commentaries further develops the case for a relational paradigm in the Study of Religion by addressing critiques concerning comparison, generalization, and historical scope. It argues that relational approaches do not reject abstraction but relocate scholarly inquiry from the essence of “religion” to the historically contingent relations through which the category is constituted. A comparative survey of English, French, Spanish, and Italian encyclopedias demonstrates that the shift from essentialist to relational understandings extends beyond the German context while simultaneously challenging narratives of a homogeneous European Enlightenment. Rather than abandoning comparison, the article advocates historically situated, non-universalizing forms of theorization that remain sensitive to conceptual dynamics and relations of power. It concludes by arguing that safeguarding epistemological pluralism and academic freedom is indispensable for the future development of relational scholarship in the Study of Religion.

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