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Abstract
Der Beitrag beschäftigt sich mit der spezifischen Rolle von psychologischen Fallgeschichten für die Verwissenschaftlichung von Religion und nimmt dafür insbesondere die Tagungsgeschichte in den Blick. Nach einigen grundsätzlichen Überlegungen zur epistemologischen Relevanz der Fallgeschichte und wissenschaftlichen Kongressen als Orte spezifischer Wissensproduktion folgt die Analyse eines Ausschnitts des Fachdiskurses der entstehenden Religionspsychologie. Hierfür werden insbesondere die ersten internationalen religionspsychologischen Kongresse der Jahre 1930 und 1931 in den Blick genommen. Gegenstand der Analyse sind hier vor allem die entsprechenden Kongressakten sowie die Bedeutung von Fallgeschichten für die Begründung der Religionspsychologie als empirischer Wissenschaft. Dabei sticht die Fallgeschichte der Therese Neumann von Konnersreuth in besonderem Maße heraus: Sie war nicht nur wissenschaftlich, sondern auch politisch von hoher Brisanz. Gegenstand des zweiten Kongresses von 1931 war vor allem die Frage nach dem „Unglauben“, mit der auf die als krisenhaft wahrgenommene religiöse Situation der Gegenwart reagiert und der ebenfalls anhand empirischer Erhebungen nachgegangen wurde. Auf beiden Kongressen zeigte sich eine Veränderung des disziplinären Selbstverständnisses: Im Interesse einer religionsapologetischen Profilierung bewegte man sich weg von früheren, als „psychologistisch“ wahrgenommenen Ansätzen.

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