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Abstract
Der vorliegende Artikel untersucht die Rolle symbolischer Gewalt im Zusammenhang von Autorität anhand eines jüngeren Fallbeispiels aus der charismatischen Erneuerungsbewegung innerhalb der koptisch-orthodoxen Kirche in Ägypten. Mithilfe von Pierre Bourdieus Theorie der symbolischen Gewalt wird in diesem Beitrag eingehender analysiert, wie Abuna Samaan (1941-2023), der seinen priesterlichen Dienst vor allem den Zabbaleen (dt. „Müllsammler“) in Manshiyat Nasser, einem Stadtteil von Kairo, widmete, durch Exorzismen, Heilungsrituale und karitative Handlungen eine besondere Autorität erlangte, die auch über die koptische Kirche hinausging und ihre Hierarchien in Frage stellte. Dies wird sowohl aus eigenen Beobachtungen und Stehgreiferzählungen als auch aus vorangegangenen ethnographischen Studien genauer beschrieben und analysiert. Der Artikel zeigt, dass charismatische Führungsfiguren wie Abuna Samaan nicht nur als spirituelle Erneuerer agieren, sondern vielmehr in der Lage sind, bestehende Machtstrukturen durch den Machttypus eines „diakonischen Führers“ zu transformieren. Zudem wird in diesem Beitrag die Dynamik innerkirchlicher Konflikte beleuchtet, die sowohl aus der Spannung zwischen charismatischen Bewegungen und der koptisch-orthodoxen Hierarchie resultieren als auch auf die Dynamik zwischen (De-)Territorialisierung, Digitalisierung und Internationalisierung zurückzuführen sind. Auf diese Weise bietet der Beitrag neue Einsichten in die gegenwärtige Aushandlung religiöser Autorität und die transformative Kraft symbolischer Gewalt am Beispiel der koptischen Kirche.

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