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Abstract
Dieser Beitrag stellt Wissenschaft und Religion heuristisch gegenüber. Er vertritt die These, dass sich die beiden Konstituenzien dieser Gegenüberstellung unter Rückgriff auf Jurij Lotmans kultursemio-tisches Konzept der Semiosphäre in Bezug auf ihr jeweiliges Verhältnis zur kulturellen Dynamik formal unterscheiden lassen, ohne dass sie inhaltlich definiert werden müssen. Die Religion wird dabei mit Lotmans Begriff des Zentrums assoziiert, die Wissenschaft mit der Grenze. Die Wissenschaft ist diejenige Kulturform, die – semiotisch gesprochen – mit der Veränderung von der Peripherie her rechnet, da sie sich selbst als stets revidierbar auffasst. Die Religion hingegen wird als kulturelles Modell verstanden, das nach Zentralisierung, Homogenisierung und Verstetigung strebt. Um ihre Stabilität zu gewähren, versucht die Religion sich gegen die von der Grenze her einfliessende Information zu immunisieren. Der religions- und wissenschaftstheoretische Essay ist eine Hommage an Jürgen Mohn und eine Danksagung für unsere langjährige Zusammenarbeit.

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